Zentrale Ergebnisse

Zentrale Forschungsergebnisse der Studie

In der Onlinebefragung (Jugendliche: n=233; Betreuungspersonen: n=490) und der papierbasierten Befragung (Jugendliche: n=279; Betreuungspersonen: n=147) und den 30 Gruppendiskussionen (Kinder und Jugendliche: n=87; Betreuungspersonen: n=73) zeigt sich, dass die Erkenntnis über die Notwendigkeit von Schutz und Sicherheit für Kinder und Jugendliche in professionellen stationären Settings der Erziehung, Bildung und in Kliniken grundsätzlich angekommen ist. Es findet sich auch eine Sensibilität für Schutzkonzepte in vielen Einrichtungen und einzelne Schutzmaßnahmen werden genannt, die umgesetzt werden. Jedoch zeigt sich eine weitgehende Zurückhaltung der Praxis bei der Implementierung von Schutzkonzepten. Sie sind noch nicht im Alltag der Kinder und Jugendlichen, denen sie zugutekommen sollen, angekommen. Vielfach handelt es sich um eine Pro-Forma-Umsetzung von Einzelmaßnahmen, die mit Unwissenheit und Ratlosigkeit über deren Nutzen verbunden ist.

 

Die ForscherInnen im Verbundprojekt stießen zudem auf eine erlebte mangelnde Methodenkompetenz auf Seiten der Betreuungspersonen bei der Realisierung von Präventionsmaßnahmen. Jugendliche und Kinder werden über Maßnahmen, wie externe AnsprechpartnerInnen, Beschwerdemöglichkeiten und Beteiligungsformen von Betreuungspersonen in ihren Einrichtungen zwar informiert, die Maßnahmen werden jedoch im Sinne eines technokratischen Verständnisses von Schutzkonzepten verengt, so dass Schutzkonzepte lediglich als Einzelmaßnahmen rationalisiert werden.

 

Eine nötige pädagogische Begleitung der Kinder und Jugendlichen bei der Nutzung solcher Instrumente, Motivationsarbeit und eine Pädagogik der Befähigung zu diesen Fragen fanden sich nur ansatzweise in den Gruppendiskussionen.

 

Zurückhaltung fand sich bei den Betreuungspersonen auch im Umgang mit den Themen Körperlichkeit, Paarbeziehungen und Sexualität. So wird die Sexualität der Jugendlichen, die in stationären Einrichtungen untergebracht sind, häufig auf (vermeintliche) Gefahren reduziert. Teilweise wird eine starke Reglementierung von Berührungen unter Jugendlichen als Strategie genutzt, um Grenzüberschreitungen vorzubeugen. Ein Sprechen über sowohl positive als auch negative Erfahrungen in diesen Bereichen erscheint kaum möglich oder zumindest erschwert. Dabei zeigen die Ergebnisse der Online-Befragung, dass ein offenes Sprechen über Grenzen, Grenzverletzungen und Sexualität einen Zusammenhang aufweist zum Sicherheitsgefühl von Kindern und Jugendlichen.

 

Der Forschungsverbund kommt zu dem Schluss, dass Schutzkonzepte insgesamt nicht isoliert betrachtet werden können. Vielmehr sind sie im Rahmen eines übergreifenden sexualpädagogischen Konzeptes zu diskutieren, das auch die Frage der Macht zwischen Kindern, Jugendlichen und Betreuungspersonen reflektiert. Dafür müssen Kinder und Jugendliche Körperlichkeit sowie Sexualität aber zunächst als etwas Positives wahrnehmen. Erst dann können partizipativ gemeinsame Regeln zur Wahrung gegenseitiger höchstpersönlicher Rechte entwickelt werden.

 

Die partizipative Entwicklung von Schutzkonzepten ist unumgänglich, damit Kinder und Jugendliche, aber auch Betreuungspersonen sich hiermit identifizieren können.

 

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Hinweise auf Publikationen aus dem Projekt „ich bin sicher!“ – Schutzkonzepte aus der Sicht von Jugendlichen und Betreuungspersonen

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Beteiligungsorientiertes Werkbuch

Ab Frühjahr 2017 ist die Publikation des Projektverbunds „Ich bin sicher!“ mit allen Ergebnissen und Materialien im Verlag Beltz JUVENTA erhältlich.

Wolff, Mechthild; Schröer, Wolfgang; Fegert, Jörg M. (Hrsg.) (2017): Schutzkonzepte in Theorie und Praxis – ein beteiligungsorientiertes Werkbuch. Weinheim und Basel.

Überall dort, wo Kinder und Jugendliche sich zu Zwecken der Bildung, Erziehung, Behandlung, Unterstützung und Freizeit aufhalten, müssen ihre höchstpersönlichen Rechte gewahrt werden. Es gilt Schutzkonzepte gemeinsam mit allen AkteurInnen in Organisationen zu erarbeiten. Wie kann man in Einrichtungen konkret vorgehen und welche Erfahrungen gibt es dazu? Welche Perspektiven haben Kinder, Jugendliche und Fachkräfte auf Schutzkonzepte und deren Umsetzung? Interessierte an Theorie und Praxis des Kinderschutzes in Organisationen finden empirisches Wissen und Praxisanregungen aus dem Projekt „ich bin sicher!“, in dessen Rahmen erstmals Kinder und Jugendliche selbst befragt wurden.

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Schwerpunktheft „Sozial Extra“

Die Zeitschrift Sozial Extra widmete sich im Oktober 2015 dem Thema „Sexuelle Gewalt und Schutzkonzepte“. In dem Schwerpunktheft wurden Artikel aus dem Projekt „Ich bin sicher!“ – Schutzkonzepte aus der Sicht von Jugendlichen und Betreuungspersonen veröffentlicht. Sie beschäftigen sich u.a. mit den Themen: Ankommen in der Wohngruppe, Beschwerdepersonen, Sicherheitsempfinden und Gruppenklima aus der Sicht von Jugendlichen, Hürden bei der Implementierung von Schutzkonzepten, Sexualität und Paarbeziehungen aus der Sicht von Jugendlichen in stationären Einrichtungen u.s.w.

Quellenangabe zum Schwerpunktheft: Sozial Extra, Volume 39, Issue 5, October 2015, ISSN: 0931-279X (Print) 1863-8953 (Online)

 

Hier finden Sie die Zeitschrift.